← zurück

📷 "Software Developer's Combat Manual" by texas_mustang is licensed under CC BY 2.0. To view a copy of this license, visit https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/.

Backstage Scaffolder 2026: Golden Paths mit Software Templates

29. Juli 2026 · 4 min · Martin Jochum #Backstage#Scaffolder#Software Templates#Platform Engineering#Developer Portal#Golden Paths#CNCF#DevOps

Der Backstage Scaffolder ist das Herzstück jeder Internal Developer Platform (IDP) auf Basis von Backstage. Während der Software Catalog die Frage “Was gibt es?” beantwortet, liefert der Scaffolder die Antwort auf “Wie bekomme ich ein neues Service schnell und korrekt ins System?”. Mit dem stabilen v1beta3-API-Format und einem wachsenden Ökosystem an integrierten und benutzerdefinierten Aktionen hat sich der Scaffolder zum zentralen Werkzeug für Plattformteams entwickelt, um sogenannte Golden Paths zu definieren.

Was ist der Backstage Scaffolder?

Der Scaffolder ist ein Template-System, das in Backstage integriert ist. Plattformingenieure definieren in YAML-Dateien, welche Schritte beim Erstellen einer neuen Komponente durchlaufen werden sollen. Entwickler wählen im Backstage-Portal unter /create ein Template aus, füllen ein Formular aus und erhalten nach wenigen Sekunden ein fertig konfiguriertes Repository – mit CI/CD-Pipeline, Kubernetes-Manifesten, Dockerfile und automatischer Registrierung im Software Catalog.

Die offizielle Backstage-Dokumentation beschreibt den Scaffolder als “Tool, das dir hilft, Komponenten in Backstage zu erstellen”. Standardmäßig kann er Code-Skeletons laden, Variablen einfügen und das Ergebnis auf GitHub oder GitLab veröffentlichen.

Template-Format: v1beta3

Seit der Einführung von v1beta3 hat sich das Template-Format stabilisiert und erheblich weiterentwickelt. Ein Template besteht aus drei Hauptbestandteilen:

Metadata – Name, Titel, Beschreibung und Tags, die das Template im Portal auffindbar machen.

Parameters – Ein JSON-Schema, das die Eingabeformulare im Frontend definiert. Hier legen Plattformingenieure fest, welche Informationen ein Entwickler angeben muss (z. B. Service-Name, Owner, Repository-URL). Die Parameter können über mehrere Schritte (Steps) verteilt werden, sodass komplexe Formulare übersichtlich bleiben.

Steps – Die auszuführenden Aktionen in Serie. Jeder Step ruft eine Aktion auf – sei es das Klonen eines Vorlagen-Repositories (fetch:template), das Veröffentlichen auf GitHub (publish:github) oder die Registrierung im Catalog (catalog:register).

Ein konkretes Beispiel aus der offiziellen Dokumentation zeigt, wie ein Template für einen Microservice aufgebaut ist: Nach dem Klonen einer Vorlage und dem Einfügen von Variablen wird ein neues GitHub-Repository erstellt, der Code dorthin gepusht und das Service automatisch im Backstage-Catalog registriert.

Golden Paths als Plattform-Strategie

Der größte Mehrwert des Scaffolders liegt nicht in der Technik, sondern in der Strategie: Golden Paths. Plattformteams definieren “die eine, unterstützte Art”, ein neues Service zu bauen. Jedes Template verkörpert die aktuellen Best Practices des Unternehmens – von der Wahl der Programmiersprache über das Monitoring bis zur Security-Konfiguration.

Ein Tutorial zur Plattform-Engineering-Plattform von 2026 beschreibt das Szenario: Ein Entwickler füllt ein Formular aus, klickt auf “Create” und erhält ein neues GitHub-Repository, das bereits mit CI/CD, Monitoring und Kubernetes-Deployment ausgestattet ist – in unter zwei Minuten. Ohne Scaffolder würde dieser Prozess oft Tage dauern, weil der Entwickler Wikis lesen, YAML-Konfigurationen kopieren und im Slack nach Cluster-Zugängen fragen müsste.

Benutzerdefinierte Aktionen und Erweiterbarkeit

Der Scaffolder kommt mit einem Satz integrierter Aktionen (fetch:template, publish:github, catalog:register, debug:log u. a.). Darüber hinaus können Plattformteams eigene Aktionen in TypeScript schreiben. Die offizielle Dokumentation gibt dazu eine klare Empfehlung: Action-IDs sollten in camelCase statt in kebab-case vergeben werden, da sonst JavaScript-Ausdrücke in Template-Variablen fehlschlagen können.

Die Roadie-Dokumentation hebt hervor, dass benutzerdefinierte Aktionen es Teams ermöglichen, Governance-Regeln direkt in Templates zu kodieren und so sicherzustellen, dass jedes neue Service von Anfang an den Unternehmensrichtlinien entspricht.

Template-Editor und Dry-Runs

Ein oft übersehenes, aber wertvolles Feature ist der integrierte Template-Editor, den Backstage in der Entwicklungsumgebung mitbringt. Er erlaubt es, Templates im Browser zu bearbeiten und im Dry-Run-Modus zu testen, bevor sie in Produktion gehen. Das Ergebnis des Dry-Runs zeigt die kompletten Dateisystem-Änderungen sowie die Logs jedes ausgeführten Schritts. Das beschleunigt die Entwicklung neuer Templates erheblich.

Fazit

Der Backstage Scaffolder hat sich zum unverzichtbaren Werkzeug für Plattformteams entwickelt, die Developer Self-Service ernst nehmen. Mit v1beta3, benutzerdefinierten Aktionen und dem integrierten Template-Editor bietet er alles, was für die Umsetzung von Golden Paths nötig ist. Wer eine Internal Developer Platform aufbaut, sollte dem Scaffolder besondere Aufmerksamkeit schenken – er ist der Ort, an dem Plattformstrategie auf Entwickleralltag trifft.

Quellen